Dekorationsbild

Häusliche Gewalt ist die Gewaltanwendung innerhalb einer Paarbeziehung oder die Gewalttätigkeit durch Verwandte oder Bekannte innerhalb des häuslichen Umfeldes.
Besonders gravierend ist dabei die Bedrohung im unmittelbaren Lebensumfeld. Meistens handelt es sich um die eigene Wohnung und damit in der Regel um den persönlichsten Ort des Menschen. Gewalt zu erfahren von einer Person die sehr vertraut ist oder war, in einer Umgebung die Schutz und Sicherheit bieten sollte, macht deutlich, wie sehr diese Art von Gewalt die intimste Sphäre eines Menschen angreift und dessen Persönlichkeits- und Freiheitsrechte verletzt. Häusliche Gewalt schwächt oder zerstört das Selbstwertgefühl und hat schwerwiegende Folgen für den Körper und die Seele der Betroffenen. (1)

FORMEN von Gewalt (2)

Seelische Gewalt ist …
einschüchtern, beleidigen, beschimpfen, demütigen
mit Drohungen unter Druck setzen, z.B. drohen, die Kinder wegzunehmen
Angst machen durch Blicke, Gesten, Worte oder Handlungen
Eigentum zerstören, ein- oder aussperren
kontrollieren, was sie/er macht, mit wem sie/er spricht, wohin sie/er geht
sie/ihn für verrückt erklären
Schuld zuweisen

Soziale Gewalt ist …
selbst keine Entscheidungen mehr treffen zu dürfen
wenn Kinder als Druckmittel benutzt werden
als Bedienstete/er behandelt zu werden
im sozialen Umfeld schlecht und runter gemacht zu werden
Stück für Stück von Verwandten, Bekannten, Freunden isoliert zu werden …

Ökonomische Gewalt ist …
er/sie verbietet Ihnen eine Arbeit aufzunehmen
er/sie teilt Ihnen Geld zu, verweigert Ihnen Geld oder verwaltet das Geld allein
er/sie zwingt Sie Verträge, Bürgschaften zu unterschreiben …

Körperliche Gewalt ist …
ohrfeigen, stoßen, schlagen, treten, würgen, festhalten, fesseln, mit Gegenständen oder Waffen bedroht bzw. verletzt zu werden, Essen oder Schlaf entziehen …

Sexualisierte Gewalt ist …
sexuell belästigen, zu sexuellen Praktiken gegen den Willen genötigt zu werden, vergewaltigen, …

Verhaltensvorschläge für Betroffene (3)

Wenn Sie in einer Beziehung leben, in der eine Eskalation nicht auszuschließen ist oder wenn Sie bereits Gewaltausbrüche von ihrem Partner/ihrer Partnerin erlebt haben, sollten Sie für sich und Ihre Kinder Vorbereitungen zum Schutz treffen.

  • Informieren Sie sich über häusliche Gewalt in den Medien, wie z.B. Internet …
  • Dokumentieren Sie genau die Handlungsverläufe der Gewalt – Ort, Zeit, Zeugen, Was ist passiert …
  • Lassen Sie sich so schnell wie möglich ärztliche Atteste über zugefügte Verletzungen ausstellen.
  • Bringen Sie vorsorglich wichtige Unterlagen in Sicherheit (kopieren Sie Unterlagen) – diese ermöglichen Ihnen eine größere Unabhängigkeit und die finanzielle Absicherung nach einer Trennung.
  • Vermeiden Sie zu Ihrem eigenen Schutz Andeutungen oder Drohungen, dass Sie die Absicht haben, Ihren Partner/Ihre Partnerin zu verlassen – erst sollten Sie eine klare Entscheidung treffen und sich in Sicherheit befinden.
  • Bei Androhung von Gewalt bzw. erneuter Eskalation rufen Sie, wenn möglich die Polizei – Telefon 110
  • Möchten Sie Schutz in einem Frauenschutzhaus finden, rufen Sie an. Frauenschutzeinrichtungen sind in der Regel rund um die Uhr oder über die Polizei erreichbar.
  • Nehmen Sie unbedingt Kontakt zu unserer Beratungsstelle auf, um weitere Schutzmaßnahmen oder Notfallpläne zu besprechen. Manchmal kann bereits ein Gespräch sehr entlastend wirken.

Quellen
1 Vgl. »Häusliche Gewalt, Sexualisierte Gewalt – Wahrnehmen, Informieren, Handeln«,
»sowieso« KULTUR BERATUNG BILDUNG Frauen für Frauen e.V., Dresden 2008, Broschüre,
aktualisierte Auflage, S. 9, 12
2 Vgl. ebenda S. 12
3 Vgl. ebenda S. 21/22