Dekorationsbild
Praxisbeispiel
Frau Müller
Frau Klee

Anhand des Fallbeispieles möchten wir die Arbeit der Interventionsstelle verdeutlichen und aufzeigen, welche Möglichkeiten der Hilfen es gibt.

Frau Müller (Name geändert) berichtete, dass sie seit Jahren von ihrem Ehemann terrorisiert und geschlagen wurde und es immer wieder zu massiven körperlichen Übergriffen kam. Auch zu ihrer 9-jährigen Tochter konnte er kein liebevolles Verhältnis aufbauen. Stets würde er sie klein machen, anschimpfen und ihr zeigen, dass er sie nicht akzeptiert, da sie ja nicht seine Tochter ist.
Letztens hielt Frau Müller, den gemeinsamen Sohn, der gerade geboren war auf dem Arm, als Herr Müller sie wieder angriff und sie am Arm packte. Sie konnte gerade noch ins Badezimmer fliehen, sich einschließen und die Polizei rufen.

Die Polizei nahm Herrn Müller mit und sprach eine Wohnungswegweisung für 14 Tage aus. Dies bedeutete, dass Herr Müller für 14 Tage die Wohnung nicht betreten und seine Frau und die Kinder nicht kontaktieren durfte.

Nach dem Einsatz sendete die Polizei ein Fax mit Zustimmung von Frau Müller an die Interventionsstelle. Am nächsten Morgen setzte sich eine Mitarbeiterin der Interventionsstelle sofort mit Frau Müller telefonisch in Verbindung. Im Gespräch wurde deutlich, dass Frau Müller psychisch am Ende war. Schon in der Kindheit erlebte sie selbst und ihre Mutter Gewalt durch den Vater und auch in der vorherigen Ehe wurde ihr Mann körperlich und seelisch übergriffig.
Frau Müller traf die Entscheidung sich von ihrem Mann endgültig zu trennen. Frau Müller erstattete bei der Polizei Anzeige, da sie dieses Mal konsequent sein wollte und die Taten ihres Mannes geahndet werden sollten. Die Mitarbeiterin der Interventionsstelle empfahl ihr einen Anwalt einzuschalten, der sie bei allen Anliegen vertritt und der gemeinsam mit Frau Müller die Wohnungszuweisung und Schutzanordnung nach dem GewSchG bei Gericht beantragt. Einige Tage später erhielt sie vom Amtsgericht den Beschluss und ihr Ehemann durfte sich ihr und den Kindern auf 100 m nicht nähern und die gemeinsame Wohnung nicht mehr betreten.
Frau Müller ging auf Anraten der Interventionsstelle zum Jugendamt, um sich dort zu Umgangsrechtlichen Fragen beraten zu lassen. Denn Herr Müller hat ein Recht darauf seinen Sohn zu sehen und ihn zu besuchen und Frau Müller wollte aber gleichzeitig vor erneuter Gewalt geschützt werden und war sich nun unsicher, wie sie sich ihm gegenüber verhalten sollte. Für Frau Müller war es wichtig nicht nur sicher in der eigenen Wohnung verbleiben zu dürfen, sondern sie wollte auch ihre Gewalterfahrungen therapeutisch aufarbeiten und wieder Selbstsicherheit erlangen. Auch ihre Tochter brauchte psychologische Hilfe, denn sie sollte wieder ein lachendes und glückliches Kind sein. Die Mitarbeiterin der Interventionsstelle empfahl Frau Müller sich an die Erziehungsberatungsstelle und den Weissen Ring zu wenden. Frau Müller entschied sich für diese Hilfen und beantragte gemeinsam mit dem Weissen Ring eine Mutter-Kind-Kur und ihre Tochter geht einmal wöchentlich in die Kindergruppe der Erziehungsberatungsstelle.
Herr Müller hatte sie trotz Gerichtsbeschluss noch ein paar Mal angerufen, aber Frau Müller hatte sich eine neue Telefonnummer zugelegt und derzeit lässt ihr Ehemann sie in Ruhe. Der Umgang zwischen Herrn Müller mit seinem Sohn wurde durch das Gericht geregelt.