Dekorationsbild
Praxisbeispiel
Frau Müller
Frau Klee

Anhand des Fallbeispieles möchten wir die Arbeit der Interventionsstelle verdeutlichen und aufzeigen, welche Möglichkeiten der Hilfen es gibt.

Frau Klee (Name geändert) rief völlig verzweifelt in der Interventionsstelle an, denn sie wüsste nicht mehr weiter und ihr Leben bestünde nur noch aus Angst und Ungewissheit. Die Telefonnummer der Interventionsstelle erhielt sie von der Polizei, wo sie Anzeigen wegen Nachstellung und Sachbeschädigung erstattete. Frau Klee vereinbarte mit einer Mitarbeiterin der Beratungsstelle einen persönlichen Termin. Zum Beratungsgespräch schilderte Frau Klee, dass sie seit mehr als einem Jahr von ihrem Ex-Freund, mit dem sie nur 3 Monate zusammen war, gestalkt wurde. Begonnen hatte alles mit SMS und Mailterror, in denen sie mit Drohungen, Beschimpfungen, Beleidigungen und Verleumdungen – sie sei psychisch krank – bombardiert wurde. Einige Monate später fand sie ihr Auto zerkratzt vor und ständig hätte sie das Gefühl, dass sie beobachtet wird. In den SMS und Mailnachrichten standen Dinge die niemand so kurzfristig wissen konnte und die sie niemanden erzählt hatte.
Frau Klee beschrieb ihren Ex-Freund als Einzelgänger, der keine Freunde hatte und andere Bekannte hätten ihn immer als komischen Typen empfunden. Stets ging es in der Beziehung nur um das Geld. Er prahlte damit, dass er so viel Geld hätte, dass er sich damit alles kaufen könnte und er nun nicht verstünde, warum sie ihn verlassen hat. Er hätte ihr alles bieten können und sie sollte zu ihm zurückkehren. Trotz klarer Ansage von Frau Klee, dass die Beziehung endgültig vorbei sei, lies er nicht von ihr ab. Er drohte ihr, dass er ihr das Leben zur Hölle machen würde bis sie in der »Klapse« landet und er genügend finanzielle Mittel hätte Leute zu engagieren, die für ihn tätig werden, so dass er sich nicht mal selbst die Hände schmutzig machen müsste.
Frau Klee war in ihrem Leben mittlerweile so eingeschränkt, so dass sie viele Dinge nicht mehr machte und sich aus Angst fast nur noch in ihrer Wohnung bewegte. Sie ging nicht mehr aus, traf sich nicht mehr mit ihren Freunden und war ständig auf der Lauer, was als nächstes kommen könnte. Ihr neuer Lebenspartner zeigte zu Beginn noch viel Verständnis für sie, aber mittlerweile war er von ihren Ängsten und ihrem Gemütszustand genervt. Frau Klee fuhr ab und zu nach München und besuchte dort Freunde. Nur hier hatte sie das Gefühl endlich unbeobachtet zu sein und sich freier bewegen zu können.
Im gemeinsamen Gespräch mit Frau Klee wurde mit ihr ein Sicherheitsplan aufgestellt. Dies beinhaltete die Anschaffung einer neuen Telefonnummer, die nur an enge, vertraute Personen weitergereicht werden sollte. Zudem sollte sie die E-Mails nicht mehr selbst lesen, sondern nur sammeln und der Polizei übergeben, damit diese als Beweismittel in die Ermittlungen einfließen konnten. Auch ihr Auto sollte sie nicht mehr an der gleichen Stelle parken und vor Fahrtantritt erst mal einer Sichtkontrolle unterziehen, ob Manipulationen am Fahrzeug stattfanden. Wichtig war hier auch den Arbeitgeber über das Stalking zu unterrichten, da der Täter sie auch ständig auf Arbeit anrief und belästigte. Zudem sollte Frau Klee ihren Tagesablauf umstrukturieren – z.B.: nicht mehr die gewohnten Wege gehen; sich unterschiedliche Einkaufsmöglichkeiten suchen, damit der Stalker sie nicht mehr gezielt beobachten konnte. Mit Frau Klee wurde zudem die Möglichkeit besprochen ein Kontakt- und Näherungsverbot gegen den Stalker zu erwirken, dies lehnte sie aber aus Angst ab, da sie vermutete, dass es noch schlimmer werden könnte.
Nach zwei Wochen nahm die Mitarbeiterin der Interventionsstelle erneut telefonischen Kontakt mit der Betroffenen auf, um abzuklären ob sich das Stalkingverhalten des Täters verändert hatte bzw. ob es erneute Drohungen gab. Frau Klee berichtete, dass endlich Ruhe sei und sich der Stalker nicht mehr gemeldet hatte. Nach Rücksprache mit dem zuständigen Polizeibeamten erfuhr sie, dass die Polizei noch einmal eindringlich mit dem Täter gesprochen und ihm die möglichen strafrechtlichen Konsequenzen aufgezeigt hatte, wenn er nicht mit dem Stalking aufhören würde. Dies schien bei dem Täter eindringlich gewirkt zu haben.
Frau Klee hoffte endlich damit abzuschließen und wieder ein normales Leben führen zu können. In ihrem Alltag ist sie immer noch vorsichtig und fasst nur schwer Vertrauen zu anderen Personen, die sie nicht kennt.